Wir stehen hier aktuell in Tromsø auf dem sicherlich unattraktivsten Platz der jüngeren Vergangenheit. Auf der einen Seite die privilegierten Frühaufsteher, die einen der begehrten Kunstrasenplätze mit Stromanschluss bekommen haben. Allerdings auch mit dem Nachteil, dass der komplette Platz rein optisch aussieht wie eine große, zugegebenermaßen schick gestaltete, Verkaufsfläche eines Wohnmobilgebrauchtwagenmarktes.

Auf der anderen Seite wir. Die ewigen Zuspätkommer, die genau dann vorsprechen, wenn es nur noch den dreckigen Schotterplatz neben den Müllcontainern gibt. Zudem ist dieser lieblos gestaltet mit schwer zu identifizierenden weißen Farbmarkierungen auf dem Boden, die die Stellflächen untereinander abgrenzen sollen. Das kann jeder Platzwart eines Amateurfußballvereins im Einzugsgebiet von Oer-Erkenschwick besser. Wenn man das so sieht, dann fragen wir uns gerade, warum Gerd nicht den LKW-Parkplatz auf dem Betriebshof mit ein paar Farbklecksern auf dem Boden verziert, ein Campingplatzschild vor die Einfahrt hängt und ein paar Wohnmobilisten übers Ohr haut.

Zugutehalten muss man dem Platz allerdings sein modernes Waschhaus mit den meisten Toiletten und Duschkabinen auf den bisherigen Plätzen. Das hat dank der Vielzahl der Gäste allerdings nicht verhindern können, dass morgens um neun Uhr trotzdem eine Schlange von wenigstens zehn Leuten um diese Waschgelegenheiten herum lungerten. Da kommt dann wieder der gute alte schon vor einem Jahr zitierte Wahlspruch zum Tragen: „Das Klo! Das Klo!
Hast du keines, bist du traurig. Hast du eines, bist du froh!“

Nach dem Frühstück wechselten wir aber auch auf die Seite der Reichen und Schönen, auf der sich schon frühmorgens in der Sonne die Bikininixen aalten. Aber es ist doch wirklich viel schöner, sich abends nach einem ereignisreichen Tag den Weißwein auf einem flauschigen Kunstrasenplatz aufzumachen als auf einer staubigen Steinwüste.

Dabei fällt mir gerade noch unsere Begegnung mit der Knötterhexe ein, die uns gestern Abend noch widerfahren ist. An der Anmeldung stand doch tatsächlich wie aus heiterem Himmel ein weiterer Spacecamper aus dem Main-Taunus-Kreis. Doch als eine missmutige ältere Frau mit Hund ausstieg und unsere herzliche und geradewegs flötende Begrüßung schlichtweg ignorierte, waren wir schon ein wenig schockiert. Wir waren schon versucht in Darmstadt anzurufen und zu fragen, an wen sie denn da ihre Autos verkaufen. Aber vielleicht wurde sie auch nur am Platz wegen Überfüllung abgewiesen, denn auf dem Platz haben wir sie nicht wieder gesehen.

Den Tag verbrachten wir heute mal wieder nicht mit Autofahren, sondern mit der Besteigung des Storsteinen, des Hausberges von Tromsø. Mit dem Rad ging es zur Talstation der Fjellheisenbahn, die uns die ersten gut 400 Höhenmeter abnahm. Von dort war der Blick auf die Stadt bei herrlichstem wolkenlosen blauen Himmel schon beeindruckend. Doch wir begnügten uns damit natürlich noch längst nicht. Stattdessen erklommen wir die weitere 230 Höhenmeter oberhalb der Bergstation befindliche Fløyahöhe. Von dort hatte man einen noch weiteren Blick über den Tromsøsund und die schneebedeckten Gipfel in der Ferne. Alleine für diese unglaubliche Aussicht hat sich der teilweise schon hochalpin anmutende Anstieg über karge Geröllwiesen mit vereinzelten Schneefeldern schon gelohnt.

Schneefelder beim Anstieg
Ölf testet den Schnee
Ölf will gerettet werden
Da ist der Campingplatz
Freudensprung

Den Abend verbrachten wir dann mit Wohnen auf unserem Kunstrasenidyll. Dazu wollte natürlich auch die Reiseroute für die nächsten Tage geplant werden. Wir werden wohl als nächstes die Vesterålen ansteuern. Mal sehen, ob wir sie morgen schon erreichen.

Und seitdem wir auf unserem Panoramadeck in der zweiten Etage bei einem gekühlten Gläschen Weißwein in der Mitternachtssonne sitzen, werden wir das Gefühl nicht los, dass die Leute absichtlich einen Umweg bei ihren Wanderungen machen, um einen Blick darauf zu erhaschen. Zumindest wurden wir heute schon mehrfach darauf angesprochen.

Statistik

Ü35: 22.07.2017 -> 23.07.2017 in Tromsø (71.379 km)

Zurückgelegte Strecke

Etappen

Tag 13 (Tromsø): 0 km

Gesamtstrecke

Insgesamt: 3.961 km

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Nici

    Unfassbar – habt Ihr etwa kurze Hosen an??????

    1. Martin

      Na klar! Es sind 20 Grad und es ist keine Wolke am Himmel! Sommerurlaub eben!

  2. Roswitha

    Hallo ihr Urlauber, Sommerurlaub mit allen Wetterarten von Sonne,Regen,Wind,Nebel und sogar Schnee,vielleicht noch viel mehr.Macht eure Garderobe da mit?Trotzdem viel Spaß!

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