Nach Kaiserwetter kommt Dreckswetter

Leider muss man sagen, dass die Ein-Tages-Wetter-Prognose hier vor Ort verhältnismäßig gut mit der Wahrheit übereinstimmt. Das bedeutete unglücklicherweise, dass wir nach dem traumhaften sonnigen Wetter von gestern mit ekligen Mistwetter für den heutigen Tag leben mussten. Für einen gemütlichen kuscheligen Tag am knisternden Kamin mit einem heißen Kakao und Marillenkrapfen genau das richtige Ambiente.

Wir mussten jedoch wieder zurück auf die immer matschiger werdenden Pisten Tirols. So ein teurer Skipass amortisiert sich ja nicht beim zu Hause sitzen und aus dem Fenster schauen. Im Nachhinein gehen die Meinungen aber auseinander, ob das eine gute Idee war. Pünktlich zum Einstieg in unsere erste Gondel fing es dann auch an zu regnen. Der Regen ging auf dem Weg nach oben glücklicherweise in Schnee über, der uns im Laufe des kurzen Skitags trotzdem mehrfach dank des eisigen und starken Windes das Gesicht perforieren wollte.

Und jetzt mal eine Frage in die Runde der Leserschaft. Sankt Anton bezeichnet sich als Wiege des alpinen Skilaufs. So ein alpiner Skifahrer schiebt doch spätestens irgendwann zur Mittagszeit einen dermaßen großen Kohldampf, dass er unbedingt seine leergelaufenen Energiespeicher wieder auffüllen muss, oder etwa nicht? Und in diesem Moment fällt dem hungrigen Sportler auf, dass er mit einer beklagenswerten kulinarischen Angebotslage konfrontiert ist. Im zentralen Skigebiet gibt es gelinde gesagt genau eine Skihütte, in der man der alpinen Küche frönen könnte. Und das bei den Tausenden von Skigästen, die hier gerade unterwegs sind.

So kam es, dass wir heute erstmals seit der Aufzeichnung von Pistendaten, eine mittägliche Pausenstation unverrichteter Dinge wieder verlassen mussten, da es partout nicht möglich war dort einen Fuß an Land zu bekommen, geschweige denn einen Platz zum Essen zu ergattern. Trotz der großzügigen Räumlichkeiten scheint die Gampenalm eher etwas für Schönwettertouristen zu sein. Aberhunderte von freien Bierbankgarnituren im nasskalten Schneetreiben, aber ein viel zu geringes Platzangebot im Inneren der Hütte. So geht es nicht, meine verehrten Alpengastwirte.

Der Umweg zur Kapallalm belohnte uns zwar mit unserem wohlverdienten Mittagsmahl, auf der anderen Seite aber auch mit einer Extraportion Gesichtspeeling dank Schneetreiben in der Waagerechten inklusive Sichtverhältnissen wie unter einem Helm mit Milchglasvisier.

Der Ergebnisbericht der Skikönigin ergab für den heutigen Tag ein famoses Zeugnis. Unsere Majestät lässt sich selbst von den zwei bis drei Köpfe größeren Mitgliedern ihres Gefolges der Skischule nicht abkochen und ist damit technisch schon ganz weit vorne. Ich sehe jetzt schon die Tränen in den Augen der gesamten Handballlandschaft der Nation. Es zeichnet sich ganz deutlich ein Trend ab, insbesondere da die Skikönigin seit heute im Besitz einer Saisonkarte der Arlberger Bergbahnen ist. Schönen Gruß an die Großeltern von dieser Stelle. Die Saison geht übrigens bis Mitte April…

Nur am Rande sei erwähnt, dass ich mich aufgrund meiner sehr enorm ausgeprägten sozialen Kompetenz dazu entschlossen habe, mich der Konsummentalität meiner kaufwütigen Mitreisenden anzuschließen. Ins Netz gegangen sind mir dabei die dringend benötigten Wanderschuhe, die mir ja aufgrund von nicht zu erklärender Materialermüdung nach gerade mal zehn Jahren abhanden geraten sind.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.