Die teuersten Pommes

Von Aachen aus, dass uns mit dem gleichen miesen Wetter verabschiedete wie es uns in Empfang genommen hatte, überquerten wir ungehindert die erste Landesgrenze nach Belgien. Im Gegensatz zu unserem letzten Ausflug nach Frankreich vor zwei Jahren, den wir auch von Aachen aus starteten, beschlossen wir aus einer spontanen Laune heraus, dass wir doch auch quer durch Belgien bis zur Küste fahren könnten. Schlechtes Wetter kann man ja überall genießen, und am Meer ist selbst schlechtestes Wetter immerhin noch am ehesten zu ertragen.

Ich möchte den interessierten Leser ja nun nicht die ganze Zeit mit meinem möglicherweise völlig unreflektierten und einseitigen Gemecker über das suboptimale Wetter langweilen. Schließlich gibt es ja überall auf der Welt jede Menge Wetter. Dafür muss man ja dann nicht großartig seine Koffer packen und irgendwo hinfahren. Aber die deutlich auszumachende Schwäche hierzulande in diesem sogenannten Sommer ist schon mehr als eklatant. Man könnte sogar sagen, dass seitdem wir als SpaceCamper unterwegs sind, noch kein Sommer so verregnet war, dass es uns wahrhaftig so sehr nach ein paar wärmenden Sonnenstrahlen dürstete.

Doch auch Belgien zeigte sich leider in keinster Weise versöhnlich. Durch jede Menge Regen, Schauer und Niederschläge fuhren wir Kilometer um Kilometer in Richtung Nordsee. Diese begrüßte uns zwar mit einer steifen Brise, aber immerhin mal für ein paar Momente ohne Regen. Also flugs den Wagen abgestellt und ein paar Schritte entlang der belgischen Nordseepromenade flaniert. Die ist in der Tat wenigstens architektonisch sehenswert. Ein Hochhauskomplex reiht sich an den nächsten, und das über etliche Kilometer. Wir befanden uns kurz vor der französischen Grenze und blickten gen Norden auf ein nicht enden wollendes Häusermeer.

So sehen anständige Strandpromenaden aus

Da wir nun schon den Fuß auf belgischen Boden gesetzt zu hatten, versäumten wir es natürlich nicht, im Land der Erfinder der Pommes nach einer anständigen Pommesbude Ausschau zu halten. Und was wäre so eine Strandpromenade in Belgien, wenn uns nicht nach wenigen Metern bereits von mehreren Seiten der zarte, die Nase umschmeichelnde Duft von heißem Frittierfett entgegen wabern würde? Nur eine abgewirtschaftete Fußgängerzone in Wanne-Eickel, möchte ich da entgegenrufen. Wider Erwarten mussten wir aber doch ein paar Schritte mehr unternehmen bis wir jemanden fanden, der im Hinterzimmer einer Eisdiele tatsächlich Fritten feilbot. Im Überschwang der Emotionen bestellten wir kurzerhand zwei groote Portionen Frietjes. Die guten belgischen Pommes sind ja bekanntermaßen genauso leicht wie halbfetter Magerquark, nur viel leckerer selbstverständlich. Leider bekamen wir nach einiger Wartezeit stattdessen lediglich ganz profane frittierte Kartoffelstäbchen wie sie auch in der oben bereits erwähnten Fußgängerzone von Wanne-Eickel zu finden wären. Die Belgier haben vermutlich auch schon den Sommerblues.

Um wieder den Bogen zurück zum Wetter zu schlagen, bemühten wir uns mit den beiden großen Schalen Pommes in der Hand möglichst schnell wieder den Weg zum Auto zu finden, da nach wie vor die Sonne immer noch nicht drohte, durch die dichte Wolkendecke zu brechen. Stattdessen machte es eher den Eindruck, als wäre es schon viel zu lange trocken gewesen. Im sicheren, weil trockenen Hafen des Campers ließen wir uns die Pommes dann trotzdem schmecken. Nach ein paar Bissen in die frittierten Kartoffelstücke fiel unser vor Schreck geweitetes Auge auf einen verdächtigen, bedruckten weißen Zettel, der lieblos gefaltet unter unserem Scheibenwischer im Wind flatterte. Bei Lichte betrachtet war es insgesamt vielleicht auch zu opportunistisch gewesen, zu glauben, dass am Straßenrand der ersten Straße hinter dem Strandparkplatz mit Blick auf das Meer die Regelung mit dem Parkticket außer Kraft gesetzt wäre, nur weil der Straßenrand so unverdächtig grasbewachsenen aussah. Na ja, so waren es mit in Summe gut 40 Euro doch wohl eher die teuersten Pommes der Welt.

Unser erstes Nachtlager auf einem Campingplatz in diesem Urlaub schlugen wir kurz hinter Calais auf. Ein schöner kleiner Platz unweit der Küste, der uns auch damit köderte, dass angeblich etliche kleine Häschen über den Platz hoppeln würden. Außer einem Huhn und einem eingesperrten fröhlich flötenden Papagei konnten wir aber keine Tiere ausmachen. Da Juttas Schädel immer noch nicht so recht Ruhe geben wollte, machten wir abends noch einen kleinen Gang entlang der Promenade von Sangatte und ließen uns den Wind um die Ohren pusten. Für die Besteigung des Mont d’Hubert auf einer Höhe von sage und schreibe 151 Metern war leider keine Zeit mehr. Die angepriesene hervorragende Sicht hinüber nach England machten uns mal wieder die sehr tief liegenden Wolken zunichte.

Der Platz der vermeintlichen Hoppelhasen
Statistik

Ü18: 29.08.2021 -> 30.08.2021 in Sangatte (169.242 km)

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