Die Büchse der Pandora

Wie es sich für die Auftakttour in einen fahrradgeprägten Urlaub gehört, waren wir am Freitag mal wieder in einer größeren Gruppe unterwegs. Niemand, der ein funktionierendes Mountainbike zur Hand hatte, konnte sich ruhigen Gewissens diesen gemeinsamen und sicherlich schon traditionellen Ausflug die Ponalestraße hinauf bis nach Pregasina und weiter hinauf zum Passo Rochetta entgehen lassen. Kaum eine Tour bietet so viele traumhaft schöne Aussichten über den See, eine Einkehrmöglichkeit zum Durchschnaufen und Auftanken, einen Brunnen zum Wasser nachfüllen und etliche steile Rampen, um wahrhaftig am eigenen Körper zu erleben, warum es Mountainbikefahren heißt. Für den Genießer sind auf der Abfahrt zudem etliche fahrbare Trailstücke dabei. Da will man auf jeden Fall dabei sein.

Endlich mal wieder in großer Gruppe unterwegs

Dass wir uns für die Einstiegstour ausgerechnet eine Woche Zeit gelassen haben und auch schon einige Runden vorab unternommen hatten, wird den aufmerksamen Leser womöglich erstaunen. Auf der anderen Seite muss jedoch bedacht werden, dass die Tour nach Pregasina seit hunderten von Jahren stets die Einstiegstour gewesen ist. Auf der Tour zum Ledrosee vor Wochenfrist waren wir zwar auch auf der Ponalstraße unterwegs, aber wir waren nicht in Pregasina. Am Ende ist das ja auch völlig unerheblich und diese leichte Verspätung bzgl. der Terminierung der Auftakttour bemängeln zu wollen, grenzt schon an Erbsenzählerei. Einstiegstour ist Einstiegstour. Das steht ja nun mal fest.

Womöglich wird diese Tour an diesem Tag jedoch in die Annalen eingehen. Zukünftige Generationen werden davon sprechen, was an diesem Tag geschah. Die Geschichtsbücher werden auf diesen Tag verweisen, wenn es darum geht, die sich anschließende Zeitenwende zu besprechen. Nie zuvor geschahen einschneidende Vorkommnisse diesen Ausmaßes in unserer bis dahin doch so friedlichen und gemütlichen kleinen Gardasee-Welt. Die Büchse der Pandora wurde geöffnet. Eine Umkehr war nun nicht mehr möglich. Das erste E-Bike mischte sich unter unsere Gruppe.

Ich kann das betretene und in Teilen sogar bestürzte Schweigen des Entsetzens in der Leserschaft in diesem Moment geradezu spüren (noch bevor ich diese Zeilen überhaupt geschrieben habe). Zur Einordnung der Ereignisse sei jedoch erklärt, dass es sich um ein für einen Tag geliehenes Fahrrad für Samy handelte. Mit diesem gewieften Schachzug seiner Eltern sollte die möglicherweise eingeschränkte Motivation ihres Sprösslings bzgl. der Erklimmung insbesondere der steilen Rampen im hinteren Teil der Tour gefördert werden. Dieses Ansinnen ging tatsächlich auch zu großen Stücken auf. Samy erreichte die Malga Palaer direkt unterhalb des Einstiegs zum Passo Rochetta ohne nennenswertes oder sogar ernstzunehmendes Wehklagen.

Samy tanzt in wahrer Freude auf dem Kulminationspunkt seiner Tour
Die schroffe Schönheit des Trails zum Passo Rochetta
…die man selbstredend mit dem Rad bezwingen möchte

Über die Abfahrt, die wir in kleineren Grüppchen an unterschiedlichen Einstiegspunkten begannen, hüllen wir aus erziehungstechnischen Gründen den Mantel des Schweigens. Es sei jedoch erwähnt, dass alle Teilnehmer der heutigen geschichtsträchtigen Auftakttour weitestgehend heile (zumindest mit allen Gliedmaßen an den korrekten Stellen) und gesund wieder unten am See angekommen sind.

Schöne Aussicht von der Ponale
Statistik

Ü8: 28.05.2021 -> 29.05.2021 in Torbole (162.639 km)

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