Der Atlantik kann doch noch Wellen

Wie es der Zufall so wollte, ist Ute unabhängig von uns zeitgleich ebenfalls für einen urlaubsähnlichen Kurztrip in Frankreich. Der Tatsache, dass ihr Aufenthaltsort zwar weitaus statischer ist als der unsere, aber dennoch grob auf der von uns vorab angedachten Reiseroute liegt, konnten und wollten wir uns natürlich nicht erwehren. Also war unser nächstes Etappenziel Hossegor, direkt an der südlichen Atlantikküste Frankreichs. Das Hossegor, in dem wir vor vielen Jahren schon mit Auto und Zelt den ersten Urlaub nach unserer feierlichen Vermählung verbrachten.

Auf dem Weg kurz vor Hossegor eine Ausläufer der Lüneburger Heide

Da wir bei dieser Stippvisite jedoch kein Zelt, sondern unseren Spacecamper dabei hatten, brauchten wir nicht auf einen Campingplatz auszuweichen, sondern konnten netterweise direkt an der Bleibe von Ute unterkommen. Das Gelände beim Ferienhaus von Roswitha, in dem sich die kleine Damenrunde um Roswitha, Petra und Ute eine schöne Woche machte, hatte ausreichend Platz, so dass wir unseren schlanken Spacecamper quasi unsichtbar hinter dem Hoftor abstellen konnten. Ein großes Dankeschön daher nochmals an Roswitha, die darüber hinaus irgendwie dafür Sorge getragen hatte, dass die neu installierte und eigentlich sehr helle Straßenbeleuchtung zumindest während unseres Aufenthalts dunkel blieb.

Unser Schlafplatz in Hossegor

Zur Begrüßung besuchten wir abends die Pizzeria Napoli, die wir schon von unserem letzten Aufenthalt im Jahre 2006 kannten. Damals begingen wir indes den Fehler, dass wir uns ohne tiefgreifende Französischkenntnisse ahnungslos zu einem Salat mit Enteninnereien überreden, ja geradezu überrumpeln ließen. Diesen Fauxpas umschifften wir in diesem Jahr elegant und waren am Ende mit unserer Menüauswahl durchaus sehr zufrieden. Pizzeria Napoli kann also auch lecker.

Hier in Hossegor war dann auch die Zeit des lahm vor sich hin plätschernden Atlantik vorbei. Statt spiegelglatter See bot der Ozean endlich die von ihm erwarteten Wellen an. So einladend das auf den ersten Blick zu sein schien, so gefährlich war die Brandung aber für den nach Erfrischung dürstenden Badegast. Selbst Roswitha mit ihrer jahrelangen Atlantikerfahrung riet uns dringend von einem Badegang ab. Insbesondere da der Strandabschnitt jetzt in der Nachsaison nicht mehr bewacht ist und die Wellen aufgrund der Strömung von allen Seiten kamen. Es trauten sich nur noch die vielen geübten Wellenreiter auf das Wasser. Da wir jedoch ohne Surfboard unterwegs waren, blieb uns nur das mutige Stehen in auslaufenden Wellen. Dabei versuchten wir wenigstens die eine oder andere größere Welle zu erwischen, die sich anschickte, nah genug am Strand zu brechen. So konnten wir den allmählich aufgestauten Badefrust zumindest wieder ein kleines bisschen abmildern. Man musste dennoch sehr vorsichtig sein, um nicht versehentlich im sehr rasch tiefer werdenden Uferbereich in den Hauptwaschgang der sich brechenden und darunter kräftig zurückziehenden Wellen zu geraten.

Da man ja aber auch nicht den ganzen Tag in den sich brechenden Wellen stehen kann, machten wir zwischendurch auch eine kleine Erkundungstour nach Downtown Hossegor. Schließlich wollten wir ja auch sicherstellen, ob sich die legendäre Boutique von Billabong (Billa-was?) noch an Ort und Stelle befindet. Und was soll ich sagen, sie ist noch da. Aber mit einer gewissen Genugtuung ließ ich heute die EC-Karte tief in meinem Portemonnaie stecken. Keine Notwendigkeit für eine neuerliche Lokalrunde…

Da der Morgen an unserem Abreisetag mit ein wenig ungastlichem Wetter aufwartete, entschieden wir uns zu fünft eine Besichtigungsrunde durch ein Outletgelände für Surferklamotten zu machen. Man ist ja nie wirklich zu alt für diese arschcoolen Shirts, auf denen irgendwelche kruden Werwölfe abgebildet sind, die im Mondschein auf einem mit Totenköpfen verziertem Surfbrett mit Bierdosen jonglieren. Aber es gibt offenbar auch einige Surfer mit einem etwas weniger extrovertiertem Bekleidungsstil, der auch uns die Möglichkeit gab, ein paar schöne Dinge zu finden. Gegen Mittag brannte dann doch wieder die Sonne so heiß vom Himmel, dass wir noch mal einen kleinen Abstecher zum Strand machten, um uns dort erneut von ein paar Wellen von oben bis unten bespritzen zu lassen. Erst danach ging es hinauf in die Berge.

Statistik

Ü47: 22.09.2019 -> 23.09.2019 in Hossegor (136.015 km)
Ü48: 23.09.2019 -> 24.09.2019 in Hossegor (136.015 km)

5 Kommentare

  1. Es kommt mir so vor als ob ihr auf eurer Tour de France das große Land unserer Nachbarn einmal umrunden wolltet. Wir warten gespannt auf die nächsten Etappen. Ob ihr wohl noch das liebliche Mittelmeer erreichen werdet? Vielleicht im Paradies ohne Apfelbaum direkt unterm Leuchtturm?

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