Ein Pausentag in der Sonne

In den letzten Tagen mussten wir doch eher mit niedrigeren Temperaturen und weniger Sonne als es sich für einen Sommerurlaub gehört klar kommen. An dieser Stellschraube wollten wir heute drehen. Ein Blick auf die Wetterkarte bestätigte uns in unserer vorab recht vage formulierten Reiseroute. Nach Süden sollte es nun gehen. Bereits der südliche Teil der Bretagne wurde von der Sonne verwöhnt und wartete mit Temperaturen deutlich über der 25-Grad-Marke auf. Der Steuermann legte den Kurs fest in Richtung der Halbinsel Quiberon.

Dort sollte es einen Campingplatz geben, der sich direkt am Meer befindet und auf dem man in erster Reihe mit Blick auf das Wasser stehen könnte. Ein Gedankenspiel bei dem das Camperherz natürlich höher schlägt. Die Bilder im Kopf kreisen um eine geöffnete Schiebetür des blau-weißen Spacecampers, man selbst sitzt unter dem gespannten Sonnensegel, auf dem Ausklapptisch steht eine gekühlte Flasche Rosé neben gefüllten Weingläsern, ein paar leckere Käsewürfel oder Kracker liegen ebenfalls bereit, man blickt versonnen in die langsam im Meer versinkende rote Sonne und lässt gemütlich den Tag ausklingen. Je näher wir dem Ziel kommen, desto besser wird auch das Wetter. Auf der Halbinsel angekommen, brennt die Sonne schon erbarmungslos vom Himmel, so wie es sich für einen Sommerurlaub auch gehört.

Doch dann erreichen wir den angepriesenen Platz und stellen fest, dass unsere Vorstellung von einem Platz direkt am Wasser jäh begraben werden muss. Statt einer idyllischen Lagune der Lebensfreude erscheint vor uns das Flair eines in die Länge gezogenen Supermarktparkplatzes ohne jeglichen Baumbewuchs oder sonstigen Schattenwurf, außer der von den unzähligen großen weißen Wohnmobilen, die quer geparkt kaum einen Blick auf das Meer ermöglichen. Statt uns in zweiter Reihe hinter diese weiße Wand zu stellen, fahren wir lieber weiter zum Campingplatz mit dem wunderschönen, wenn auch ein wenig dadaistisch daher kommenden Namen Do Mi Si La Mi. Und was soll ich sagen, auch hier werden unsere Klischees wieder nicht bedient. Eine nette französische Empfangsdame weist uns in Englisch einen Platz zu, der sich in einer der vielen Parzellen, umsäumt mit meterhohen Hecken, befindet. Hier haben wir zwar keinen Meerblick, aber ein kleines Stückchen grüne Wiese, auf der wir mit unseren Keilen sogar einigermaßen gerade stehen können.

Unser Platz am Ruhetag

Wir beschließen trotz des fehlenden Blicks auf das Wasser, zwei Nächte zu bleiben, insbesondere um nicht schon wieder am nächsten Tag fahren zu müssen und Jutta die Chance zu geben, ihre Wunden nach ihrem angedeuteten Salto mit dem Fahrrad am gestrigen Tag zu lecken und ein wenig auszukurieren. Wir bleiben aber natürlich nicht untätig, sondern erkunden die Halbinsel mit dem Fahrrad. Leider kommen wir genau zur Mittagszeit im pulsierenden Ortskern von Quiberon an, so dass eine vermeintlich angedachte Runde durch die Modegeschäfte der südlichen Bretagne aufgrund der strikt eingehaltenen Siesta ausfallen muss.

Als Ausweichprogramm wanderten wir zur Spitze der Halbinsel, welche mit einem interessanten Schneckenphänomen aufwartete. Etliche kleine ehemals blühende Blümchen, aber auch einige größere Sträucher waren bis in die Spitzen mit kleinen Schneckenhäusern drapiert. Als wären die Schnecken die neuen Blüten der Pflanzen. Das war aber sicher nicht der Grund für den offenbar zeitgleich stattfindenden jährlichen Wanderausflug der örtlichen Nonnengewerkschaft. Hinter jeder Ecke und an beinahe jedem kleinen Strandabschnitt standen kleine Grüppchen von weiß gekleideten Nonnen und genossen wie wir den herrlichen Tag. Direkt an der Spitze führte uns Ölf auch seine unfassbaren Ninja-Skills vor als er in Bruce-Lee-Manier artistische Übungen vollführte. Seine Aussage, dass er den Stein, auf dem er seine Turnübungen durchführte, vorher eigenhändig gespalten hatte, lässt sich leider nicht beweisen. Aber wenn es so war, hat er es äußerst leise und ohne großes Jammern geschafft. Was eigentlich eher dagegen spricht… Nichtsdestotrotz hat dieses Schauspiel aber auch andere Touristen angezogen, die ebenfalls Fotos von Ölf machen wollten, was er natürlich, geschmeichelt von so viel Anerkennung, nur zu gerne erlaubte.

Impressionen von der Halbinsel

Ein Strauch voller Schnecken
Schnecken, überall Schnecken
Der gespaltene Stein

Doch auch am Ende unseres kleinen zweitägigen Aufenthalts in der südlichen Bretagne haben wir noch keinen Badetag auf der Habenseite. Das muss sich auf jeden Fall in der näheren Zukunft ändern. Ist doch schließlich Sommerurlaub. Das Wetter scheint zumindest weiterhin mitspielen zu wollen.

Als kleines kulinarisches Fazit sei allen Lesern von Ölfs Reisen mitgegeben, dass leicht angebrannte Jackfrucht als Ersatz für das Hackfleisch in einer Bolognesesauce leider so gar nicht lecker ist. Wir möchten den Stab über der Jackfrucht noch nicht endgültig brechen, aber es bedarf da wohl ein bisschen intensiverer Anteilnahme bei der Zubereitung.

Statistik

Ü38: 13.09.2019 -> 14.09.2019 in Quiberon (135.205 km)
Ü39: 14.09.2019 -> 15.09.2019 in Quiberon (135.205 km)

3 Kommentare

  1. Anstelle Jackfrucht dann vielleicht doch lieber typisch bretonischen Spezialitäten. Das französisches Kaffeegebäck (in der Bretagne womöglich ja bretonisch) wurde ja schon mal am Rande erwähnt, aber es gab leider gar keine Beschreibung, Bewertung …

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