Wieder ein neuer Tag und wieder ein neuer Eintrag ins Logbuch, der erneut auf das Wetter eingehen muss. Den ganzen Sommer über hatte das Wetter als Gesprächsthema ja eher gelangweilt, da es einfach nur Tag für Tag da war. Es war warm, es schien die Sonne und es hat nicht geregnet. Damit war das Wetter auch schon fertig abgehandelt. Schlechte Zeiten waren das für oberflächlichen Smalltalk. Worüber haben sich die Leute eigentlich die letzten vier Monate beim Sektempfang oder beim Swutsch über den Gartenzaun unterhalten? Nun sieht die Welt aber wieder ganz anders aus. Wir haben endlich wieder jede Menge Wetter, Wetter, Wetter.

Unser Plan für heute war mal wieder, den Tag mit einem gemütlichen Frühstück in der Sonne zu starten und dann, wenn der nahende Regen nicht mehr wegzudiskutieren sein würde, einfach loszufahren dorthin, wo uns wieder die Sonne begrüßen würde. Der erste Teil des Plans ließ sich noch in groben Zügen umsetzen. Zum Frühstück schien auch kurz die Sonne und gemütlich war es im Grunde auch, wenn man genügend Augenmerk darauf gelegt hatte, die Wurst auf dem Brötchen festzuhalten, damit sie nicht wegwehen konnte. Für den zweiten Teil des Plans legten uns die einschlägigen Informationsquellen eine Abreise gegen 11:00 Uhr nahe und boten als Reiseziel die Insel Fehmarn an.

Kurz nach dem Frühstück in der Sonne
So sieht übrigens eine anständige Familiendusche aus

Gesagt, getan. Wie am Vortag fuhren wir durch strömenden Regen und wurden von teilweise heftigen Sturmböen durchgeschüttelt. Auf dem Teilstück zwischen Kiel und Heiligenhafen führte uns der Weg streckenweise entlang wunderschöner Alleen mit unterschiedlichsten Baumbepflanzungen am Wegesrand. Die heftigen Sturmböen sorgten allerdings dafür, dass sich der eine oder andere Baum genötigt fühlte, Ballast abzuwerfen. Die unvermittelten Einschläge der Eicheln auf dem Dach oder der Windschutzscheibe waren in etwa vergleichbar mit dem Zünden dieser sinnlosen Böller zu Silvester, die nicht mal irgendwelche farbenfrohen Pixel in den nachtschwarzen Himmel meißeln. Nichts für supernervöse und herzinsuffiziente Verkehrsteilnehmer.

Gerade als wir die Fehmarnsundbrücke trotz heftigster Windböen hinter uns gelassen hatten, zahlten sich die übersinnlichen Kräfte von Jutta aus, die intuitiv ins Blaue hinein bei Elke nachgefragt hatte, ob sie womöglich gerade bei ihrem Segelboot im Großenbrode sind. Wie es der Zufall so wollte, waren Elke und Ulf tatsächlich gerade vor Ort, um das Boot für das Winterlager vorzubereiten. Wir machten also kehrt und fuhren ein zweites Mal über die Brücke trotz mittlerweile noch etwas kräftiger gewordener Windböen.

So hatten wir die Chance, uns das Segelboot aus der Nähe anzusehen und seit langer Zeit mal wieder ein bisschen zu plaudern. Aber für so ein schönes und großes Boot ist es doch erstaunlich, dass man unter Deck gar nicht stehen kann. Aber vielleicht ist das ja gar nicht so schlecht. Dann kriegt man gleich so eine demütige Grundeinstellung, die einem vielleicht dabei hilft, der Tatsache entgegenzuwirken, dass der Mensch gar kein Fisch ist. In jedem Fall kann man es im Hafen bei Regen und Wind ganz gut eine Weile auf dem Boot aushalten.

Fiete liebt das Wasser – bei jeder Temperatur

Als wir die beiden dann inklusive einer kurzen Einkehr zum Kaffeetrinken ausreichend lange von ihrer eigentlichen Aufgabe abgehalten hatten, machten wir uns dann ein drittes Mal auf den Weg über die Fehmarnsundbrücke. Unser erstes Ziel, ein kleiner privat geführter Minicampingplatz auf einem Bauernhofgelände in Orth, war leider schon ausgebucht. So wechselten wir nochmal die Inselseite, auch in der Hoffnung auf der windabgewandten Seite ein wenig geschützter zu stehen. Nun stehen wir auf dem Campingplatz am Deich, der aus einer langen Reihe von Stellplätzen direkt hinter dem Deich besteht, aber immerhin ein angeschlossenes Schnitzelhaus aufweisen kann. Das scheint hier aber auch weit und breit der einzige Außenposten der Zivilisation zu sein. Wobei man bei der speziellen Dame, die den Laden dort schmeißt, bezüglich der Zivilisation auch genauer hinsehen musste.

Hinter dem Deich am Campingplatz
Sonne!

Der Wind mag immer noch nicht so recht abflauen und zwischendurch regnet es auch immer mal wieder. Wir sind gespannt, ob wir irgendwann das Dach wieder einklappen müssen, bevor es uns wegfliegt. Und aufgrund der digitalen Einöde, in der wir uns hier aktuell befinden, wird dieser Eintrag vermutlich wenigstens bis morgen auf seine Veröffentlichung warten müssen.

Statistik

Ü50: 20.09.2018 -> 21.09.2018 in Gråsten (106.531 km)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Johann von P.

    Die Schnitzelbudenbesitzerin heisst nicht zufälling Rosi ?

    1. Martin

      Das würde zumindest einiges, wie zum Beispiel die Schnitzelgröße, erklären…

  2. Ulf

    Schön, dass ihr da wart! Das mit der Stehhöhe unter Deck könnte aber auch an den High-Heels liegen…

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