Udo Lindenberg

Dieses Wochenende wurde unser Weihnachtsgeschenk an Ute und Gerd eingelöst. Im Rahmen des Hermann Hesse-Festivals wurde der Panik-Preis der Udo Lindenberg Stiftung verliehen. Und wir hatten Karten für die Abschlussveranstaltung der prämierten Gewinner im Kloster Hirsau in Calw.

Sehr gut vorbereitet versuchten wir einen ganzen Tag vor der Veranstaltung eine Unterkunft für die Wohnmobilisten und unseren Spacecamper in der Umgebung des Veranstaltungsortes zu ergattern. Bereits der erste Anruf beim Regenbogen Campingplatz in Bad Liebenzell, gute fünf Kilometer von Hirsau entfernt, hatte Erfolg. Ein auf den ersten Blick komplett ausgebuchter Campingplatz hielt für uns wider Erwarten doch noch zwei Plätze frei.

Sehr skurril war jedoch das Telefonat mit dem Betreiber des Campingplatzes. Als ich zwecks Anmeldung den Namen von Gerd durchgegeben hatte, fragte der gute Mann doch glatt, ob dieser denn aus Osnabrück käme. Mit großem Erstaunen stellte sich mal wieder heraus, wie klein die Welt doch ist. Der Platzherr kommt ursprünglich aus Osnabrück und hat sich von Gerds Bruder schon vor Jahren an den Zähnen schrauben lassen.

Nun, da die Unterkunft gesichert war, konnten wir uns am Samstag nach einem ausgiebigen Frühstück bei herrlichstem Sommerwetter auf den Weg nach Bad Liebenzell machen. Dort angekommen, bauten wir unsere Wagenburg und erkundeten die Umgebung entlang des Flüsschens Nagold. Im schön angelegten Kurpark konnten wir auch noch in der Nachmittagssonne ein leider viel zu kurzes Nickerchen halten.

Mit dem perfekt ausgeklügelten Plan, vor Ort in Calw noch eine Kleinigkeit als Abendbrot zu uns zu nehmen, sattelten wir ohne nennenswerte vorherige Kohlehydratzufuhr die extra mitgebrachten Fahrräder und fuhren zum Kloster nach Hirsau. Die Sache mit dem Abendessen gestaltete sich jedoch deutlich schwieriger als gedacht. Im ersten Restaurant wollte man uns gar nicht erst aufnehmen und im zweiten Biergarten war zunächst nicht klar, ob es überhaupt noch etwas zu essen geben würde.

Doch mit ein wenig Betteln und der Unterstützung von hungerleidenden Blicken bekamen wir tatsächlich noch die vermeintlich restlichen und allerletzten vier Portionen des hausgemachten Schwäbischen Wurstsalats. Eine Erfahrung, die man auf jeden Fall gemacht haben muss. Nun leben wir ja schon den einen oder anderen Tag im Dunstkreis des Schwarzwaldes, aber ich war im Vorfeld noch nie auf den Gedanken gekommen, mir in der Kneipe einen Wurstsalat zu bestellen. Mit dieser Einschätzung lag ich vermutlich auch all die Jahre gar nicht so schlecht.

Nur Ute schaffte es, aus uns nach wie vor unerfindlichen Gründen, die ihr zugeteilte, amtliche Familienportion dieser traditionsreichen schwäbischen Spezialität zu vertilgen. Wir anderen mussten mit mehr oder weniger großen Resten auf den tiefen Tellern bei Zeiten die Segel streichen. Eine zweite Chance wird der Wurstsalat in naher Zukunft wohl erstmal nicht bekommen…

Leidlich gestärkt stellten wir uns im Anschluss in die ewig lange Schlange vor den Kontrollen zum Einlass in die Klosterruine. Gut bewacht von wenigstens zwei Polizeiwagen und gründlich kontrolliert am Eingang waren wir kaum viel mehr als eine halbe Stunde später im Inneren der Lokalität.

Begleitet von mehreren von Joachim Krol vorgetragenen Gedichten aus der Feder von Hermann Hesse lauschten wir im ersten Teil der Veranstaltung nach einem kurzen Auftritt zum Einstieg von Udo Lindenberg zunächst den drei mit dem diesjährigen Panikpreis dekorierten Bands. Drei doch sehr unterschiedliche, aber auch interessante Interpreten.

Als dann die ersten zwei Stunden ins Land gestrichen waren, war unsere Einschätzung, dass der geplante Auftritt Udo Lindenberg und seinen Panikorchester ja allenfalls nochmals eine halbe Stunden dauern würde. So eine Freiluftveranstaltung würde ja nun kaum viel länger als bis 23:00 Uhr gehen.

Als dann aber ein Song dem nächsten folgte und auch die Zugaben nicht enden wollten, mussten wir letztendlich konstatieren, dass aus dem vermeintlich kurzen Abschlussauftritt des Herrn Lindenberg ein ausgewachsenes eigenes Konzert geworden war. Erst gegen 0:30 Uhr hörte die Band auf zu spielen. Aber auch wenn es ganz am Ende unter freiem Himmel doch schon etwas schattig wurde, war es doch ein sehr beeindruckendes Abschlusskonzert der diesjährigen Lindenberg-Tournee. Alle Protagonisten schienen vor lauter Spielfreude einfach kein Ende finden zu wollen.

Der Meister live on stage

Um etwa halb Zwei waren wir dann auch wieder auf dem Campingplatz und wurden von einem im Sitzen eingeschlafenen Ölf im Empfang genommen. Auf der einen Seite wollte er ja nicht mit zu diesem viel zu lauten Rockkonzert, auf der anderen Seite hatte er uns natürlich schon deutlich früher zurück erwartet.

Wenig später konnten wir dann auch noch das über der Nagold tosende Gewitter mit lautem Donner und herrlichen Blitzen genießen. Insgesamt ergab sich dadurch zusätzlich eine verhältnismäßig kurze Nachtruhe.

Den Termin zum Auschecken vom Campingplatz verpassten wir daher, auch dank eines bewusst nicht hektisch ausgelegten Frühstücks, um gut eine Stunde. Durch unsere gemeinsame Osnabrücker Vergangenheit schien das aber gar nicht weiter ins Gewicht zu fallen. Wir verabschiedeten uns vor Ort schon tränenreich voneinander. Ute und Gerd fuhren daraufhin direkt nach Osnabrück zurück, während wir mittags schon wieder in Karlsruhe waren.

Nach gut anderthalb Jahren, in denen wir nun schon unseren Spacecamper besitzen, war es nun erstaunlicherweise erst das erste Mal, dass wir gemeinsam mit den beiden auf einem Platz zur Übernachtung gestanden haben. Verrückt!

Statistik

Ü10: 30.07.2016 -> 31.07.2016 in Bad Liebenzell (43.662 km)

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