In die Berge

Der Tag begann mit dem Unaussprechlichen. Etwas, dass nicht hätte passieren dürfen. Womit aber auch niemand rechnen konnte. Bei der Fahrt vom Waschhaus zur Rezeption zum Bezahlen des Platzes fuhr Jutta rückwärts mit unserem neuen Spacecamper und dem neuen auf der neuen Anhängerkupplung montierten Fahrradgepäckträger gegen einen nicht mehr so ganz neuen, aber aus dem Nichts erschienenen Laternenpfahl. Zu ihrer Ehrenrettung muss man allerdings sagen, dass es taghell war und deswegen das Licht der Laterne ausgeschaltet war…

Da aber kein nennenswerter Materialschaden zu erkennen war, ging es für uns heute doch wie geplant weiter in die Berge. Die Strecke hatte aber auch vieles zu bieten auf unserer heutigen Etappe. Zunächst fuhren wir durch die Calanche mit überraschenderweise wieder sehr engen und kurvigen Gässchen. Besondere Herausforderung war zusätzlich die mitunter zu beiden Seiten senkrecht empor gehende Felsenformation. Wenn dann ein ortskundiger LKW-Fahrer mit einem Affenzahn um die Kurven prescht, zwischen all den fotoapparatbehängten Touristen und deren achtlos beseite gestellten Fahrzeugen, dann kann es schon mal brenzlig werden. Immerhin wurden wir dieses Jahr nicht Zeuge einer Reisebusbegegnung. Aber wir haben das Herz der Liebenden gesehen!

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Die Calanche

Weiter ging es über Porto in Richtung Col du Verghiu. Zwischen kargen Felswänden hindurch schlängelte sich die Straße nach oben. Das Wandererherz hätte hier sicher höher geschlagen, wenn wir es nur dabei gehabt hätten. Aber auch der Mountainbiker konnte das Potential der Gegend erahnen. Sie hatte aber auch einiges zu bieten, die Gegend hier. Von alpinen Felspanoramen über canyonartige Schluchten und karge Geröllfelder bis hin zu uns vertrautem Schwarzwald-Flair.

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So viel Landschaft

Mittendrin trafen wir dann mehrfach auf Familie Keller, die offenbar einen Bikeladen in Heidelberg betreiben, zumindest stand es so auf ihrem Wohnmobil und auch die mitgeführten Mountainbikes sahen recht ordentlich aus. Beim ersten Zusammentreffen waren wir auf der Suche nach einem adäquaten Pausenplatz. In einer Rechtskurve stand allein auf weiter Flur das Kellersche Wohnmobil. Wir stellten uns dazu und hatten noch nicht einmal das Baguette aus der Tasche geholt, da passierte etwas, was man nicht glaubt, wenn man nicht dabei war. In der gleichen, nun eigentlich komplett belegten Rechtskurve stoppte ein Reisebus aus Tschechien und es stiegen an die 50 Personen aus und wuselten hernach wie Ameisen auf Speed um uns herum. Es wurden Fotos gemacht und Selfies geschossen und Fotos gemacht und keine zehn Minuten später war der Spuk auch schon wieder vorbei. Familie Keller und wir schüttelten uns kurz und ich suchte insgeheim noch nach einer versteckten Kamera. Vielleicht sollten wir demnächst vermehrt das tschechische Fernsehen einschalten…

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Unglaublich

Im weiteren Verlauf der Fahrt begegneten wir auch wieder diversen freilaufenden Tieren. Von kleinen Ziegen über größere Ziegen und Schweinen in allen Schattierungen bis hin zu Kühen. Alle liefen teils völlig unvermittelt auf der Passstraße umher als wären die Autos, die nicht alle so vorausschauend und vorsichtig um jede Ecke schlichen wie wir, gar nicht da. Oben am Pass bei knapp 1500 Metern kam dann auch noch ein kleines Gewitter hinzu. Eines der Art, welches wir eigentlich schon fast täglich vom Strand aus über den Bergen sehen und hören konnten.

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Gegenverkehr

Unser Nachtquartier schlugen wir dann am Stausee bei Calacuccia auf. Der Platz war teuer und einfach, aber immerhin auch ruhig. Kurz nach unserer Ankunft kam dann auch Familie Keller wieder, die wir unterwegs noch weitere Male an sehens- und parkenswerten Stellen getroffen haben, und stellte sich lustigerweise tatsächlich direkt auf den Platz neben uns. Dabei ist zu erwähnen, dass auf dem Campingplatz gute 90% der Stellplätze frei waren. Allerdings dann ohne Blick auf den nur halb gefüllten Stausee. Bei hellem Mondschein, der durch die Panorama-Dachkonstruktion unser Bett erleuchtete, konnten wir schon früh wegschlummern. Die reinste Idylle!

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Abendessen mit Blick auf den Stausee
Statistik

Ü29: 13.09.2016 -> 14.09.2016 in Calacuccia (46.103 km)

Karte

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