Am nächsten Morgen herrschte auch schon wieder strahlender Sonnenschein. Nach einem intensiven Studium der Wetterkarten und -prognosen und deren Abgleich mit den von uns in die engere Auswahl genommenen Destinationen entschieden wir uns, nun doch den Weg in Richtung Slowenien und in Richtung Soča-Tal einzuschlagen. Wir mussten uns zwar für den Montag irgendetwas überlegen, denn der schien komplett ins Wasser fallen zu wollen. Aber bis dahin waren ja noch zwei Tage Zeit, die wir noch voll auskosten wollten.

Bis Kobarid war es gar nicht weit, hinter der grünen Grenze war es nur noch ein Katzensprung bis wir über eine als offensichtlich begehrtes Fotomotiv dienende Steinbrücke über die Soča fuhren und direkt dahinter auf den Campingplatz einbogen. Auf der oberen Ebene des Platzes, die über eine sehr steile Rampe zu erreichen war, durften wir uns einen der nicht nummerierten Plätze aussuchen. Es war zwar schon recht voll, aber wir fanden einen adäquaten Platz und richteten uns ein zwischen Campern aus Belgien, der Schweiz, Münster und Bad Tölz.

Erwähnt werden soll an dieser Stelle unbedingt der Laden, der in fußläufiger Entfernung auf der anderen Seite der Soča lokalisiert ist. Auf den ersten Blick schien es sich um ein Lebensmittelgeschäft wie viele andere auch zu handeln, welches auch lokale Spezialitäten feilbot. Aber wenn man vor der Wursttheke rechts abbog, öffnete sich ein komplett anderes Bild. In diesem Laden konnte man wirklich alles finden. Von Acryllack über Hundespielzeug, von 1000-Teile Puzzles über Badematten, von Porzellantassen über Anglerbedarf bis hin zu Heißluftfritteusen. Es gab dort einfach alles. Dönerman hätte in diesem Laden seine wahre Freude gehabt, für diejenigen unter der Leserschaft, die hin und wieder einen Blick ins lineare Fernsehen zu TV Total werfen.

Die Soča – Trotz des karibischen Farbtons eher frisch

Der Sonntag startete, wie zu befürchten war, nicht vollends trocken. Aber wenn man den Tag etwas ruhiger anging und vor allem eines der wahnsinnig leckeren Walnussbrote vom Campingplatzshop für das Frühstück ergattern konnte, dann gab es keine nennenswerten Einschränkungen in der Tagesplanung. In der Hoffnung, dass sich die Sonne im Verlaufe des Tages schon auch noch blicken lassen würde, starteten wir zu einer wunderbaren Wanderung flußaufwärts entlang der Soča. Der Weg schlängelte sich über steile Treppen und schmale Pfade, durch verwunschene Auenwälder und immer entlang der wild plätschernden Soča. Hin und wieder konnten wir Kajakfahrer beim Bezwingen diverser Stromschnellen beobachten. Nach knapp sechs Kilometern standen wir auf einer Hängebrücke direkt über dem Fluss und entschieden uns, den gleichen Weg zurück zu gehen, anstatt auf der anderen Seite entlang einer Straße den Rückweg anzutreten. Der Weg war auch einfach zu schön, um ihn nur einmal zu genießen. Zur Belohnung nach so einer tollen Wanderung gönnten wir uns an der Campingplatzbar eine slowenische Frika, eine Art Omelett aus Kartoffeln, Käse und Eiern in höchstens einem Hauch von Fett gegart.

Blick auf die Soča
Hier kann man sich nicht verlaufen
Durch den grünen Wald
Pausenplatz mit Aussicht für ein kleines Nickerchen
Die Brücke am Umkehrpunkt der Wanderung
Durch traumhaft schöne Auenwälder
Eine tolle Wanderung zum Freudensprünge machen
Stärkung nach der Wanderung

Gegen Abend fing es dann unvermittelt doch noch mal etwas an zu tröpfeln. Ein kurzer Blick auf das Regenradar offenbarte uns ein winziges Regengebiet, welches direkt über uns lag und den Anschein machte genauso schnell wieder zu verschwinden wie es gekommen war. Dies stellte sich jedoch alsbald als absoluter Trugschluss heraus. Statt wieder von dannen zu ziehen, fing es auf einmal auch noch an zu donnern und zu blitzen. Wir verkrochen uns also allmählich in unseren Camper, um kurze Zeit später durch einen hellen Blitz und in der gleichen Sekunde mit dem begleitenden Donner und dazu einem weiteren, unfassbar lauten, durch Mark und Bein fahrenden und noch niemals zuvor da gewesenen Knall durchgerüttelt zu werden. Folgerichtig hüllte sich der komplette Campingplatz im Anschluss daran in tief schwarze Nacht. Offensichtlich hatte irgendwo in unmittelbarer Nähe der Blitz eingeschlagen und die Elektrik des Platzes ein wenig aus der Bahn geworfen.

Der Campingplatz nach dem Blitzeinschlag… (Symbolbild)

Am nächsten, immer noch verregneten Morgen zeigte uns unsere ebenfalls sehr erschrockene Nachbarin aus Belgien, dass der Blitzeinschlag sowohl dafür gesorgt hatte, dass nun permanent eine Rückleuchte des Wohnmobils leuchtete, als auch der rechte Außenspiegel in tausend Teile zersprungen auf dem Boden eingesammelt werden musste. Wir waren nur froh, dass wir uns dazu entschieden hatten, uns nicht mit dem Bus an das Stromnetz anzuschließen. Vielleicht durch den Schock der vergangenen Nacht, vielleicht aber auch wegen der wenig erbaulichen Wetterprognosen für die nächsten Tage, aber unsere Wiese leerte sich an diesem Morgen doch zusehends. Da auch wir abreisten, können wir nicht mit Bestimmtheit sagen, ob unsere belgischen Nachbarn dort immer noch feststehen…

Statistik

Ü17: 03.06.2023 -> 04.06.2023 in Kobarid (200.999 km)
Ü18: 04.06.2023 -> 05.06.2023 in Kobarid (200.999 km)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Johann von Pienz

    Dunkel wars, das Sonnesegel in Fetzen … da kann’s ja nur noch besser werden.
    Hoffe das Ölf sich nicht allzu erschreckt hat beim Blitzeinschlag, oder sitzt er noch zitternd unter der Bettdecke ?!

    Viele Grüße
    Johann

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