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Der Hitze kann man nicht entkommen

Ein Urlaubstag auf einem Campingplatz, der ohne Frühstück beginnt, ist streng genommen eigentlich kein wirklicher Urlaubstag. Das wäre ja so als würde man behaupten, man könne die Pfingstwoche auch anderswo als am Gardasee verbringen. Nicht vorstellbar! Doch da der Baguetteservice am Campingplatz leider noch im Winterschlaf weilte und sich keiner von uns erbarmen wollte, die fünf Kilometer zum nächsten Bäcker in irgendeiner Form zu absolvieren, begann der Tag statt mit einer anständigen Mahlzeit mit der Abreise. Den Bäckereibesuch erledigten wir demzufolge auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel, welches sich im Landesinneren an einem schönen zum Gumpenbaden einladenden Fluss befinden sollte.

Abreisefertig am frühen Morgen ohne Frühstück
Blick über die Wiese mit frei wählbaren Stellplätzen

Da die kurvige Küstenstraße im weiteren Verlauf keinen adäquaten Frühstücksplatz für uns parat hatte, entschieden wir uns am Ende für einen Strandparkplatz kurz hinter dem Stadtkern von Bastia. Im Halbschatten stellten wir uns mit den Campern einer Wagenburg gleich gegenüber auf, so dass wir mit unseren seitlichen Klapptischen quasi ein ganzes Buffet aufbauen konnten. Da schauten auch die beiden älteren Herren bei ihrem Sportprogramm an den öffentlichen Fitnessgeräten neidisch zu uns herüber. Wir hatten jedoch keine Zeit für Sport, wir mussten endlich frühstücken. Da man mit vollem Bauch ja auch nicht schwimmen gehen soll, verzichteten wir im Anschluss auch auf ein Bad im Meer. Ohnehin war der Strandabschnitt an dieser so stadtnahen Stelle auch nicht ganz so einladend.

Das Frühstücksbuffet wird aufgebaut
Kurzzeitiger Abschied vom Meer

Damit verabschiedeten wir uns für den Moment von der Küste und dem Meer und steuerten in Richtung der Berge. Neben der Tatsache, dass wir sowieso eine schöne Flussbadestelle besuchen wollten, schien uns der Zeitpunkt, ob der nach wie vor sehr heißen Temperaturen an der Küste gerade recht. Die Hoffnung auf ein paar erträglichere und vor allem kühlere Tage erschien uns angebracht. Nach eingehender Recherche entschieden wir uns daher als nächstes Etappenziel für den Campingplatz Campita in der Nähe von Omessa, was wiederum ein Stück nördlich von Corte liegt. Der Platz befindet sich in einem riesigen, geradezu verwunschenen, Waldgebiet, direkt an dem rauschenden Fluss Golo. Der Füllungsgrad ließ sich als äußerst übersichtlich beschreiben. Nur am Anfang des Platzes waren vereinzelt ein paar Camper anzutreffen. So hatten wir beinahe die freie Auswahl und schlugen unser Lager an einer schönen Stelle direkt am Fluss auf. Leider war es hier oben immer noch drückend heiß, so dass unsere erste Amtshandlung die Erkundung des Gewässers war. In irgendeiner Rezension über den Platz war davon die Rede, dass das Wasser lediglich 10 Grad warm sein solle. Ob es an der allgemein aufgeheizten Wetterlage lag oder die Rezension unter Umständen im Februar verfasst wurde, konnte nicht mehr ermittelt werden. Aber der Fluss hatte durchaus angenehme Badetemperaturen, weit entfernt davon sich Frostbeulen einhandeln zu können. Matthias nutzte auf jeden Fall sofort die Gelegenheit, um seine wasserbaulichen Fähigkeiten einzubringen, so dass wir alsbald befürchten mussten, dass wir womöglich doch zu nah am Wasser geparkt hatten.

Der Stellplatz am Fluss

Der Golo

Gegen Abend stand dann plötzlich ein Mann aus München hinter uns, der uns mit der groß aufgemachten, Aufmerksamkeit erheischenden Ansprache begrüsste, dass wir es ja wahrscheinlich schon gehört hätten. Jetzt war der Platz recht weitläufig und glücklicherweise insgesamt sehr ruhig, wenn man mal von den stündlich in der Nähe vorbeifahrenden laut trötenden Eisenbahnen absah, so dass wir eigentlich alles mögliche hätten hören müssen. Doch wir konnten nicht mal erahnen, worauf der gute Mann hinaus wollte. In der heutigen mit schlechten Nachrichten gepflasterten Zeit dachten wir natürlich gleich daran, ob etwa nun möglicherweise die ganze Insel aus irgendeinem Grund evakuiert werden müsste, sich ein Meteoriteneinschlag ankündigte oder sonst irgendetwas, wovon uns bislang keiner erzählt hatte. Doch am Ende schien es ihm tatsächlich nur um seine persönliche Erfahrung bezugnehmend auf die Buchung seiner Fährverbindung zurück ans Festland zu gehen. Ein Unterfangen, dass insbesondere in den Pfingstferien bei erhöhtem Fahrgastaufkommen mitunter recht frustrierend und sogar unerwartet kostspielig sein kann. Ebenso erstaunlich wie dieser Auftakt war auch die Tatsache, dass er sich tatsächlich auf diesem riesigen Platz mit unendlich vielen Möglichkeiten und gähnender Leere allerorten anschickte, seine Zelte direkt neben uns aufzuschlagen. Vielleicht kamen wir zu wenig herzlich herüber, womöglich noch geschockt vom drohenden Weltuntergang, oder unsere Anteilnahme an seinem Fährbuchungsschicksal war nicht empathisch genug, aber einige Augenblicke später war er doch weitergezogen.

Statistik

Ü20: 13.06.2022 -> 14.06.2022 in Pietracorbara (183.618 km)

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