Die letzten Vorbereitungen

Die Vorgeschichte

Keine drei Jahre ist es her, dass wir begannen, uns konkrete Gedanken zu machen, um nun doch endlich mal das marode Dach in Osnabrück reparieren zu lassen. Diese Gedanken wurden sogar so konkret, dass wir uns nicht damit begnügen wollten, einfach nur neue Dachziegel auf das Dach legen zu lassen. Nein, wenn wir da schon rangehen, dann sollte es ordentlich werden. Das bedeutete also, großer Fenster nach Süden, viel Licht im Inneren, womöglich sogar den Spitzboden mit in die Wohnung integrieren.

Erste Gespräche mit Steffi, die neben ihrer Tätigkeit als Reisebegleitung auf Korsika im vorletzten Jahr auch noch Architektin ist, brachten uns so langsam auf Betriebstemperatur. Doch da Steffi uns nicht vollumfänglich betreuen konnte, mussten wir alsbald auf einen für uns hauptamtlich tätigen Architekten umschwenken, den wir dann aber auch fanden. Dort wurden uns weitere Flausen in den Kopf gesetzt, so dass wir nun sogar von aufgestellten Giebelwänden, kleinen Balkonen und lichtdurchfluteten riesigen Wohnbereichen zu träumen begannen.

Doch als spielverderbende Instanz zwischen all den Träumereien und deren Realisierung steht leider die niedersächsische Bauaufsichtsbehörde, welche sich natürlich nicht so ohne weiteres eine Baugenehmigung aus dem Ärmel leiern lässt. Ganz und gar nicht, kann man sogar sagen. Da müssen Mindestabstände zu Nachbarn eingehalten werden, feuerschutztechnische Maßnahmen ergriffen werden und sich selbstverständlich nach nirgendwo definierten und daher rein subjektiv auszulegenden Bebauungsplänen gerichtet werden. Da bedarf es schon der ausgeklügelten, feinsinnigen und vor allem überzeugenden Formulierungsfreude des Autors bei der Erstellung des Ausnahmegenehmigungsantrags nebst der in allen abstimmungswürdigen Punkten tolerierenden Nachbarn, um auch diese zunächst kaum zu bewältigen erscheinende Hürde ohne nennenswerte Einschränkungen zu nehmen.

So konnten die Planungen der einzelnen Gewerke weiter vorangetrieben werden und kaum ein gutes Jahr nach Erteilung der Baugenehmigung wurden die ersten Angebote angenommen und wir fieberten dem Start der handwerklichen Tätigkeiten entgegen. Zuvor musste jedoch die komplette Wohnung inklusive des Spitzbodens leer geräumt werden, da das Dach vollständig abgetragen werden würde, um danach in der Zielform wieder neu aufgebaut zu werden.

Es geht los

Knappe zwei Wochen Urlaub sollten eigentlich reichen, um unsere Klamotten und die paar Möbel aus der kleinen Wohnung zu räumen und zu verstauen. Am Abend des 14. Mai packten wir also unsere sieben Sachen zusammen und starteten nach Osnabrück. Das große Abenteuer sollte nun endlich beginnen. Aber wie es dann so ist, vor Ort weiß man dann doch immer nicht so genau, an welcher Stelle man denn nun wirklich anfangen sollte. Trotz der vielen Vorarbeiten in den Wochen und Monaten zuvor, waren die Regale und Schränke längst nicht leer. Es gab also wahrlich noch einiges zu tun.

Eine glückliche Fügung war dann der verspätete Geburtstagsanruf bei Gunnar, der sich wider Erwarten gerade in Bremen aufhielt und gegen einen spontanen Besichtigungsbesuch in Osnabrück so gar nichts einzuwenden hatte. So konnte er sich den Vorher-Zustand der Wohnung kurz vor dem endgültigen Abriss noch ein erstes und letztes Mal aus nächster Nähe anschauen und gleichzeitig seine helfende Hand beim Unterstellen des einen oder anderen schweren Möbelstücks in der Garage zur Verfügung stellen. Gleich zu Beginn der Ausräumtätigkeiten also bereits ein gehöriger Schub in die richtige Richtung.

Der Dachboden war lange nicht so aufgeräumt

Doch es waren weit mehr Möbel unterzubringen als in der Garage Platz haben würden. Unser Plan, einen kleinen Container auf einem Gelände in der Stadt zu mieten, wurde dank der Coronazeit und der einhergehenden Unbeweglichkeit des Anbieters bei kurzfristig steigenden Preisen leider torpediert. Es gab keine Möglichkeit, uns den Container vorab aus der Nähe anschauen zu dürfen. Auch die Tatsache, dass wir nur per Mail völlig unverbindlich eine Anfrage stellen konnten, verleitete uns dazu, stattdessen das Angebot unseres Architekten anzunehmen, uns sein kleines Gartenhaus zur Verfügung zu stellen.

Feiertag ist Pausentag

Nach einer Woche Räumen erlaubten wir uns den Feiertag am Donnerstag als Pausentag am Schwimmteich bei Ute und Gerd zu nutzen und holten uns ein paar Sonnenstrahlen für die Bikinibräune ab. Doch die Wohnung war natürlich auch jetzt noch längst nicht leer geräumt. Am Freitag stand dankenswerterweise Doris vor der Tür und hatte ihre handliche Stihl Kettensäge im Handtaschenformat dabei. Mit der rückte sie dann der Holzvertäfelung auf dem Spitzboden zu Leibe. Zudem schafften wir es mit ihrer Hilfe auch den passgenau in den Flur hineingepressten Wandschrank annähernd verlustfrei zu entfernen. Ein hartes Stück Arbeit! Wie so vieles in diesem Haus war auch der Wandschrank von Juttas Vater für die Ewigkeit eingebaut worden. Wer konnte auch ahnen, dass da irgendwann noch mal jemand rangehen wollte?

Ein Wandschrank für die Ewigkeit
Doch irgendwann ist er aus der Ecke rausgeschält
Derweil ein Etage weiter oben…
Dann noch ein bisschen in der Ecke pulen
…und kurze Zeit später
Irgendwann war das Wohnzimmer leer

Am Wochenende war dann endlich wenigstens das Wohnzimmer leergeräumt. Das Sofa wanderte ins Gartenhaus zu Esstisch und Kommode und schon konnte der Abriss der Holzvertäfelung beginnen, nachdem der Dachboden mittlerweile weitestgehend freigelegt war. Da nun die gröberen Tätigkeiten auf dem Programmplan standen, war es am Montag dann auch an der Zeit, das Schlafzimmer aufzugeben. Also wurde auch das Bett abgebaut und ins Gartenhaus überführt. Der Eintritt in die erste ernsthafte Bauphase stand also unmittelbar bevor. Schon vor Monaten hatten uns unsere lieben Nachbarn auf der Südseite angeboten, in der Bauphase einen ihrer Parkplätze vor ihrem Haus als Übernachtungsplatz für unseren SpaceCamper zu verwenden. Wenn wir nicht glaubhaft versichert hätten, dass wir wunderbar in unserem SpaceCamper schlafen können und dieser als Schlafzimmer mehr als großartig geeignet ist, dann hätten wir auch Unterschlupf in ihrem Gästezimmer finden können. Gerne nahmen wir aber indes das Angebot an, einen Schlüssel für den Zugang zum Gästebad zu erhalten.

Die Vertäfelung wurde ja auch nicht mehr benötigt
Aber was für ein Traum von Tapete
Statistik

Ü6: 25.05.2020 -> 26.05.2020 in Osnabrück (148.343 km)

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