Neuss stinkt

Es geht doch nichts über einen reißerischen, boulevardesken Titel, der den Leser erst einmal in den Bann zieht, um ihn dann üblicherweise nach Durchsicht der nachfolgenden Zeilen enttäuscht zurück zu lassen mit dem dumpfen Gefühl, irgendwie über den Tisch gezogen worden zu sein, da die Schlagzeile doch viel mehr versprochen hatte als der Bericht danach halten konnte. Im besten Fall geht der Bericht sogar eigentlich gar nicht auf den Titel ein oder lässt ihn wenigstens als unbewiesene Behauptung im luftleeren Raum stehen. (Ist das dann eigentlich schon ein Trumpismus?)

In unserem Fall handelt es sich selbstredend auch um eine völlig übertriebene, geradezu suggestive und nicht zu haltende Schlussfolgerung aus wenigen singulären und völlig zusammenhangslosen Ereignissen, auf die ich hier auch nur kurz eingehen möchte. Aber der Titel war geboren als an einem unglaublich heißen Sommertag der zugedeckte Swimmingpool im Garten unserer Gastgeber in Neuss freigelegt wurde und ein, sagen wir, olfaktorisch unerwarteter Eindruck an unsere Nasen gelangte. Noch beim Installieren der Pumpe zum Absaugen des Wassers aus dem Pool befürchtete Gerhard, dass der Titel dieses Beitrags eine gewisse Richtung bekommen könnte. Das wiederum lag vielleicht auch an der Tatsache, dass wir am Vortag bereits bei einer kurzen Stippvisite in Downtown Neuss von der einen oder anderen geruchsintensiven Duftnote überrascht wurden.

Aber kommen wir zu den Fakten. Der erste Besuch bei Conny und Gerhard, die wir auf der Geburtstagsparty von Isabel kennengelernt hatten, war erwartungsgemäß sehr schön. Wir wurden von Anfang an so verwöhnt, dass wir uns für einen etwaigen, leider noch nicht geplanten, Gegenbesuch aber so einiges einfallen lassen müssen, um dieser Gastfreundschaft auch noch annähernd gerecht zu werden. Als kleines Beispiel sei hier der abendliche Begrüßungscocktail in Form eines Mojito mit selbstgezüchteter Minze aus dem eigenen Garten und liebevoll mit der Knippexzange angefertigtem zerstoßenem Eis aufgeführt. Zudem wurden wir im Gästebad von einem Händehandtuch mit aufgestickten Bremer Stadtmusikanten willkommen geheißen. Ein Stück Heimat in der Fremde.

Auch das Unterhaltungsprogramm war aller Ehren wert. Vom Fußballspielen mit der Tochter des Hauses, die aus unerfindlichen Gründen immer dafür sorgte, dass Schalke 04 gegen den glorreichen SV Werder gewann, über Kirschkernweitspucken mit geradezu rekordverdächtig anmutend erzielten Distanzen und unterschiedlichsten Techniken aus dem Lehrbuch des Weitspuckers bis zu nächtlichen hart umkämpften Sessions am Tischkicker, die erst aufgrund beginnender Ermüdungserscheinungen und vermehrt auftretenden Konzentrationsschwächen in den Abwehrreihen abgebrochen werden mussten. Aufgrund der Trägheit der Pumpe zum Entleeren des Pools ließ sich das erfrischende Planschen im Wasser leider nicht mehr rechtzeitig realisieren.

Das passt gerade so…

Als einziges klitzekleines Manko sei hier nur erwähnt, dass der Stellplatz für den Camper direkt vor dem Haus etwas zu knapp bemessen war und trotz gewiefter Einparkmanöver in der Zielausrichtung doch noch leichte Unebenheiten aufwies. Unklar, warum doch bei so vielen Wohnhäusern heutzutage noch auf ein entsprechend ebenen Gästeparkplatz verzichtet wird. Das sollte doch eigentlich zur Grundausstattung gehören.

Statistik

Ü23: 22.06.2019 -> 23.06.2019 in Neuss (129.097 km)

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